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Durch Dick und Dünn

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Es herrscht Aufbruchstimmung in Schutterwald. Nicht Aufbruch im Sinn von Abschied, sondern Aufbruch wie: Tatendrang. Wie Pioniergeist. Lust auf Zukunft. Freude an neuen Technologien. Zwei Treiber dieser Entwicklung sind die geschäftsführenden Gesellschafter Helmut Czichon und Dietmar Nagel. Auf die Erfolge aus 30 guten Jahren zurückschauen? Gern. Noch lieber aber sprechen die beiden Macher über morgen und übermorgen, über neue Märkte und noch effizientere Maschinen. Ganz nach dem Motto: the next generation.

Lieber Herr Nagel, lieber Herr Czichon: Herzlichen Glückwunsch zu 30 Jahren Thermotex. Sagen Sie mal: Wie fühlt sich so ein Jubiläum an?
Czichon: Schon sehr gut. Denn 30 Jahre stehen bei uns für 30 Jahre Erfolg und 30 Jahre mit guten Mitarbeitern. Dass wir immer neue Innovationen entwickelt haben, auf neue Produkte gesetzt haben und mittlerweile in 60 Ländern aktiv sind – das fühlt sich richtig gut an.

Klingt, als wären sie sehr stolz auf Ihr Team und den Betrieb.
Nagel: Wir haben als Zwei-Mann-Betrieb begonnen. Heute sind wir ein gut aufgestelltes, mittelständisches Unternehmen, wachsen dynamisch, haben technologisch die Nase vorn und entwickeln uns immer weiter. Das macht nicht nur stolz, sondern sorgt auch für ein tolles Gefühl. Auch im Hinblick auf die guten Leute, die wir an Bord haben. Wir funktionieren als Team, mit dem man durch Dick und Dünn gehen kann. Und wir haben eine starke Familie im Hintergrund, die alles mitgetragen hat und nach wie vor mitträgt. Ohne unsere Frauen wäre dieser Erfolg so in der Form mit Sicherheit gar nicht möglich gewesen.

Wenn man begreifen möchte, wie lang 30 Jahre sind, muss man sich nur mal an die Kuriositäten des Jahres 1988 erinnern: Holland wird Europa-Meister, an der Deutschen Börse wird der Dax eingeführt und die Welt stöhnt über den ersten echten Computer-Wurm. Erinnern Sie sich noch an die Anfänge?
Nagel: Sehr gut, ja. Wir haben mit Wäschestiften Etiketten beschriftet, haben die ersten Computerdrucker eingeführt, von Hand die Patches gebastelt oder beschichtet, haben selbst an den Maschinen gestanden und haben THERMOTEX rasant ausgebreitet.
Anderthalb Jahre nach der Firmengründung haben wir die erste große Messe in Hannover besucht. Das waren schon wirklich wilde Jahre. Aber es war gigantisch!

Wie kommt man auf die Idee, eine Firma für Textil-Logistik zu gründen? Wenn man das abends in der Disco erzählt, muss man gut tanzen können, um Eindruck zu machen…
Czichon: Das ist sicherlich so. Hintergrund war, dass mein Schwiegervater, also der Vater von Dietmar Nagel, durch sein früheres Berufsleben Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt hatte. Er hat erkannt, dass es um Ordnung und Logistik in Wäschereien
nicht zum Besten bestellt war. Die Wäscher lebten damals in ständiger Panik: Mal war die Wäsche vertauscht worden, dann wieder fehlten angeblich Sachen – und selbst wenn die Wäscher alles richtig gemacht hatten oder hätten: Sie konnten es nicht nachweisen.

Mit anderen Worten: Das eigentliche Geheimnis hinter 30 Jahren Erfolg ist offensichtich ein ausgeprägter Ordnungsfimmel…
Czichon: Das kann man so sagen, oder?
Nagel: Dass wir beim Aufräumen helfen und Ordnung halten? Ich glaub schon. Wir sind ja sogar privat so.

Stimmt es, dass Thermotex das erste Unternehmen in Deutschland war, das auf QR-Codes gesetzt hat?
Czichon: Damals hießen sie noch Matrixcodes, erst später setzte sich der Name QR durch. Wir haben seinerzeit eine Software aus den USA mitgebracht, die anfangs gar keine Verwendung fand. In den frühen 90er Jahren haben wir mit der Rentex-Gruppe diesen QR-Code das erste Mal eingesetzt und schnell die ganze Gruppe begeistert. Zu der Zeit war in der Bundesrepublik keine weitere Anwendung bekannt.

So etwas ist auch Verpflichtung…
Nagel: Nein, es ist ein Ansporn, diese Systeme weiter voranzutreiben. Mit elektronischen Etiketten in Form von RF-ID und Transpondern gehen wir jetzt den nächsten Schritt, der eine weitere Prozessoptimierung mit sich bringt. Einen QR-Code oder einen Barcode muss man händisch einscannen. Ein Transponder dagegen ist lageunabhängig und kann über eine Antenne sehr schnell und auch in größeren Stückzahlen gelesen werden.


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Das Motto des Jubiläumsjahres lautet: the next generation. Ist das damit gemeint?
Nagel: Es geht zunächst um neue Produkte im Bereich der Patch-Maschinen und Drucksysteme. Wir wollen unsere Systeme in Richtung Industrie 4.0 weiterentwickeln. Wir sind überzeugt, dass es unseren Kunden hilft, wenn sich die Maschinen mehr und mehr vernetzen lassen…

… also neue Technologien?
Czichon: Wir wandeln uns vom Produkthersteller zum Systemanbieter. Aber next generation heißt auch, dass wir Mitarbeiter voranbringen wollen, ihnen die Chance geben möchten, sich weiterzuentwickeln und eigene Ideen zu kreieren. Und es geht natürlich auch um die nächste Generation der Familie: Daher sitzt meine Tochter Julia heute schon mit am Tisch.
Nagel: Ein guter Mix war uns schon immer wichtig: junge Leute und alte Hasen. Und: Dass alles gut im Fluss ist. Wir stehen jetzt auch wieder vor einem größeren Umbruch in den nächsten Jahren, wo einige unserere Mitarbeiter in den wohlverdienten Ruhestand gehen. An diesem Thema arbeiten wir kontinuerlich, damit Erfahrung weitergegeben kann.

Thermotex macht Handtücher und Bademäntel durch Codes und Chips intelligent. So weiß ein Kleidungsstück, was es ist, wo es hingehört und wie man es behandeln soll.
Czichon: Wir sorgen dafür, dass in einem Wäschekreislauf jedes Wäschestück immer wieder zu seinem Nutzer findet und auch wieder zurück. Dafür kennzeichnen wir rund eine Milliarde Wäscheteile pro Jahr. Das Kleidungsstück an sich wird dadurch sicherlich nicht intelligenter. Ein Waschlappen bleibt ein Waschlappen, eine Socke eben eine Socke. Aber: Es ist ganz entscheidend, mit welchem Prozess dieses Kleidungsstück im Kreislauf vorangetrieben wird, so dass man zum Beispiel auch dessen Lebenszeiten ermitteln kann. Und dann sieht man: Habe ich einen Gewinn an diesem Wäscheteil gemacht? Habe ich es 50 Mal waschen können – oder vielleicht nur 20 Mal?

Wer auch immer am Markt unterwegs ist – er setzt auf Effizienz…
Nagel: Die Branche ist geprägt von sehr starkem Wettbewerb, von Preisverfall und sehr hohem Kostendruck. Um dem von unserer Seite entgegenzuwirken, versuchen wir mit intelligenten Lösungen unseren Kunden eine maximale Kostenersparnis zu ermöglichen. Und damit eine höhere Prozesseffizenz.

Um jeden Tag noch ein bisschen innovativer zu sein, muss man zunächst mal die ganze Mannschaft überzeugen, diesen Weg gehen zu wollen.
Czichon: Wir legen größten Wert auf interne Schulungen, die wir natürlich regelmäßig mit unseren Mitarbeitern durchführen. Wir suchen aktiv nach Trends und setzen diese möglichst zeitnah um. Dadurch bieten wir unseren Kunden Lösungen. Nicht nur für jetzt, für heute. Sondern auch für die Zukunft.

Wenn Menschen etwas erreichen, neigen sie dazu zu sagen: Okay, ich habe einen Punkt erreicht, das reicht mir erst einmal. Wie bekommt man es hin, dass die Mitarbeiter hungrig bleiben?
Nagel: Wir sind selbst Treiber. Nicht nur die Geschäftsleitung, sondern auch die zweite und dritte Ebene. Unsere Kunden animieren uns ständig, neue Lösungen zu entwickeln. Ob das Kundenprojekte sind, Forschungs- und Entwicklungsprojekte oder Organisationsprojekte im Haus.
Czichon: Wir motivieren unsere Mitarbeiter, damit auch von ihnen immer wieder Inputs in den Betrieb kommen. So gelingt es uns, permanent neue Trends in der Pipeline zu haben.

Ist dieses Innovationstempo der Grund, warum sie komplett auf den Standort Deutschland setzen was Entwicklung und Produktion angeht?
Czichon: Wir haben einfach gute Erfahrungen mit dem Standort Deutschland und unserer Heimat am Rand des Schwarzwalds gemacht. Hier finden wir hochqualifizierte Techniker der Blechbearbeitung und Elektronik. Außerdem gibt es ausgezeichnetes  Personal: Ingenieure, Techniker, Grafiker, Marketingleute und Tüftler.

Gutes Stichwort: Man sagt den Schwarzwäldern nach, dass sie Tüftlergeist im Blut haben. Stimmt das?
Czichon: Tüftler und Denker – ja. Wir wagen uns gern an technische Herausforderungen, die vielleicht noch gar nicht vom Markt erwartet werden. Aber wir sind einfach in dem Glauben, dass es irgendwann im Markt eingesetzt werden kann und sind diesbezüglich auch nie enttäuscht worden.
Nagel: Der Standort ist uns unglaublich wichtig. Auch weil wir hier mit regionalen Zulieferern die besten Erfahrungen
machen. Es ist für uns kein Thema, in Billiglohnländern zu fertigen, weil wir wissen, was wir hier für eine geballte Kompetenz haben. Außerdem bewegen wir uns nicht im Konsumgüterbereich, sondern liefern Produkte auf höchstem Qualitätsniveau, weil
Textilkennzeichnung Vertrauenssache ist. Nehmen Sie mal ein Miet-Berufsbekleidungsunternehmen, das jedes Jahr Millionen Teile dreht. Wenn da die Barcodes oder Etiketten nicht halten – der ganze Laden würde stillstehen!

Mit Chips in Textilien ist es nicht mehr weit, bis Wäschestücke und Waschmaschinen miteinander kommunizieren.
Nagel: Es gibt schon Tendenzen in der Branche. Das ist nicht unbedingt nur Thermotex geschuldet…

…also sagt der Socken der Maschine wie er gewaschen werden möchte?
Czichon: Theoretisch kann er das heute schon, wenn die Software soweit eingestellt ist. Das ist eigentlich gar kein Problem, dass man dem Socken einfach beibringt: Du bist schwarz, du wirst jetzt mit 40 Grad gewaschen. Dann teilt er das mit und dementsprechend kann die Sortierung auch exakt und fehlerfrei durchgeführt werden.

Und wenn die Betriebsmittel dafür zur Neige gehen, bestellt das ERP-System automatisch Nachschub?
Nagel: Dass ERP-Systeme auch Chips oder Etiketten bei uns nachbestellen, wird die Zukunft sein. Auch die Wäschebeschaffung
wird so laufen.
Czichon: Wenn in Krankenhäusern ein Mindestbestand unterschritten wird, gibt’s ein Onlinesignal an die Wäscherei. Künftig weiß ein vernünftiges System, was in der Wäscherei ist, was auf Lager liegt und was auf Station im Einsatz ist. Dadurch vermindern sich auch die Lagerbestände, weil sich die Teile viel schneller drehen.

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Wenn wir mal 30 Jahre in die Zukunft schauen: Werden im Jahr 2048 noch Menschen in Wäschereien arbeiten?
Czichon: Wir werden viel mehr Automatisierung in den Häusern haben. Die Handarbeit wird stetig zurückgeführt. Wir werden keine Bildschirme mehr haben, sondern mit Hologrammen arbeiten. Und Hologramme werden vielleicht eins zu eins dem Menschen an die Seite gestellt. Dementsprechend können Arbeitsschritte vorgegeben werden, Prozesse können einfach fehlerfrei gestaltet werden. All diese Dinge sehen wir in der Zukunft. Dafür braucht es Textilkennzeichnungscodes oder Transponder, damit man diese Techniken auch einsetzen kann.

Wird THERMOTEX auch dann noch überwiegend in Europa tätig sein?
Nagel: Wir richten uns heute schon zusehends internationaler aus…
Czichon: … und sind heute schon in über 60 Ländern unterwegs. Man kennt Thermotex in Australien, in Japan und in vielen anderen Märkten. Amerika dagegen stellt sich für uns als ein sehr schwieriger Markt dar. Einfuhrbestimmungen, Zollbestimmungen, weite Wege. Es braucht ein sehr großes Händlernetz, um so einen Kontinent mit unserem Servicegedanken zu bedienen. Das ist ein Thema für die nächste Generation.

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